
Geteiltes Leid
eine Verkörperung authentischer Berichte von der einen und anderen Seite des Zaunes
„Der Mensch ist ein Mensch- und es gibt Menschen auf beiden Seiten, die das nicht vergessen haben.“
Das Grauen wird für Palästinenser von Tag zu Tag mehr, und das nicht von selbst, oder durch eine Naturkatastrophe oder aufgrund von irgendeiner seltsamen Bestimmung. Es hat mit dem 7. Oktober schon längst nichts mehr - wenn überhaupt jemals- zu tun. Es ist die Eskalation eines elenden, menschenverachtenden Projekts, das schon lange geht. Die Kreierenden von "Geteiltes Leid" sind sich dessen bewusst. Und doch erlaubt die Schauspielerin sich die künstlerische Freiheit und menschliche Perspektive die Berichte von Opfern von palästinensischer und israelischer Seite im Wechsel zu verkörpern, deren Leid mit Euch zu teilen. Dieses Nicht- Theater- Projekt versteht sich als einen Akt das Trauern als kollektive Form des Erinnerns einzufordern, ohne dass damit das Leid der anderen negiert wird. Trauer bedeutet nicht Schweigen, und Empathie bedeutet nicht Neutralität. Was spielt es für eine Rolle, ob das Opfer Israeli ist oder Palästinenser? Gezeigt wird hier Existentiell - Menschliches. Das verbindet.
Teil 1 befasst sich mit den Ereignissen des 7. Oktobers 2023 in Israel und unmittelbar danach in Gaza.
Yael bringt fünf unsichtbare Freunde von Anfang an mit in den Raum, jede/r von ihnen wird repräsentiert durch einen Gegenstand. Sie betritt den Raum der jeweiligen Person, wird für diesen Moment zu ihr oder ihm und teilt mit uns deren Leid.
In diesem ersten Teil ist das Gemeinsame der Verlust geliebter Menschen. Wir hören eine 14 Jährige, die in Gaza Stadt mit ihrer Familie in einem Klassenzimmer mit mehreren anderen Familien untergebracht ist und Tagebuch schreibt. Wir hören eine Rettungssanitäterin, die in Israel zwei Kindern versuchte über das Telefon zu helfen sich in einem Schrank zu verstecken, während die Eltern erschossen waren. Wir teilen mit einer Studentin in Gaza den Tag, an dem sie erfuhr, dass ihre beste Freundin durch die Luftangriffe getötet wurde.
Wir hören, wie eine junge Frau in Kfar Aza überlebte, in dem sie sich hinter ihrem toten Freund versteckt hielt. Und wir erfahren vom wundersamen Überleben eines palästinensisch- israelischen Vaters, der mit seinem Baby in einem Elektrokasten versteckt war.
Am Ende ein persönlicher Bericht der Schauspielerin selbst, der uns Hoffnung machen kann, trotz allem, und der stellvertretend steht für die doch recht vielen Juden und Palästinenser auf der Welt, die sich für den Frieden und die Verständigung einsetzen.
Teil 2 legt den Fokus auf die Mütter. Wir erleben den Bericht einer Mutter aus der Westbank im Jahr 1990, deren 15 jähriger Sohn willkürlich angeschossen, misshandelt und festgehalten wurde, im Wechsel mit dem Bericht einer Mutter mit fast 6 jähriger Tochter, die 55 Tage in Geiselhaft waren. Umrahmt wird dieses "Duett" von den Worten einer Frau, die 2018 schon aus Gaza nach Europa geflohen ist und sich in dieser Situation um ihre in Gaza verbliebene Familie zu kümmern versucht. Am Ende hat dieser Mensch für uns Worte übrig, die Sinnhaftigkeit und Verbundenheit in all dem Schrecklichen ausdrücken.
Nach alledem dürfen wir auf-hören zu urteilen, es besser zu wissen und Vorstellungen über die Lösungen eines seit langem währenden komplexen Konflikts zu haben. Wie viel können wir verstehen, wenn wir nicht in den Schuhen des Anderen stecken?
Erfahrungsgemäß ist im anschließenden Publikumsgespräch viel Schweigen, Nähe und Empathie zu spüren, keine Kontroversen. Vertreter von beiden Seiten, die die Inszenierung sahen, sagten, es sei ausgewogen.
In diesem Sinne kann diese Inszenierung der vor sich gehenden Dehumanisierung von Palästinensern und Israelis/Juden entgegen wirken.
Eine Produktion des Vorarlberger Landestheaters Bregenz
in Cooperation mit y-productions
Premiere: 26.01.2024 GETEILTES LEID | Vorarlberger Landestheater
Dauer: jeder Teil jeweils 50 Minuten.
ab 15 Jahren
anschließend Gespräch mit den Schülern / dem Publikum möglich
Regie:
Teil 1: Viola Köster
Teil 2: Malka Haustrate
Recherche und Übersetzung:
Malka Haustrate























