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Harold Pinter

Asche zu Asche

„Der Krieg wird niemals zu Ende sein, solange noch eine Wunde blutet, die er geschlagen hat.       

-Heinrich Böll-

Ein Mann und eine Frau in ihrem Wohnzimmer. Drum herum breitet sich Feuchtigkeit und Chaos aus. Wir sehen zerbrochene Wasserleitungen, Plastikfolien, Neonröhren, Schutt. Doch drinnen in dem Wohnzimmerkasten wird versucht eine Behaglichkeit aufrechtzuerhalten, sich von dem da draußen abzugrenzen, auf dem Teppich zu bleiben. Dies ist vor allem das Anliegen des Mannes, Devlin. Er ist für das unmittelbar Greifbare im Hier und Jetzt zu haben. Nicht für die Geschichten der Frau, Rebecca. Sie sieht all das, was da draußen ist: Eine Welt, die kaputt gegangen ist, die Gewalttaten, die Leidenden, die Toten, die Opfer und die Täter, das Heulen der Sirenen, die Häftlingskleidung, die Vorgänge beim "Friseur"... Dabei bleibt unklar und offen, von welcher Zeit sie spricht. Für sie ist das Gegenwart. Sie ist immerfort bemüht dieses Verdrängte ins Bewusstsein zu bringen, bis sie schließlich mit den Ereignissen da draußen eins wird und sich darin erkennt. Das Wasser, was wir die ganze Zeit haben rieseln hören, ist damit auch im Wohnzimmer angekommen, es steigt, und Devlin versucht Rebecca aus Wut darüber, dass "seine" Frau nicht in seiner Realität lebt, zu ertränken.

Das Stück lässt offen, was für ein Verhältnis die beiden zueinander haben, ob sie ein Paar sind, so wie Devlin das sieht, oder nicht. Wir wissen nicht, was sie in diesen Raum zusammen geführt hat. Aber deutlich ist, dass da zwei Welten aufeinander treffen, zwei entgegengesetzte Arten mit Realität umzugehen: Mann und Frau, Westen und Osten, Empathie und Abgrenzung, Macht und Ohnmacht.

 

Die Premiere fand am 7. März 2015 am Neuentheater.ch statt, mit weiteren Aufführungen am Mut Theater Hamburg im November 2015 und am Theater unterm Dach Berlin im Juni/Juli 2016.

Schauspiel: 

Yael Schüler, Jan Viethen

KRITIK

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Regie: 

Hannan Ishay

Sprachversionen:  

Deutsche

Angesichts der Konflikte in der Gegenwart zwischen der westlichen und der östlichen Welt, der Flüchtlingswellen, die das heimelige Europa zu erreichen versuchen, der Problematik mit eigener Vergangenheit der Gewalt umzugehen, die  immer wieder ihre Spuren in der Gegenwart zeigt, halten wir dieses Stück für ausgesprochen aktuell und möchten es weiteren Kreisen von Publikum zugängig machen.

Hier die Kritik dazu: http://hamburgtheater.de/056660a55d0fb1501.html